Geschichte

Martin Gruber und seine Familie begannen 1985 mit der Sanierung einer Bauernhofruine in der Nähe von Mühldorf in Oberbayern. Heute steht der Hof aus dem 19. Jahrhundert unter Denkmalschutz, damals aber waren nach über zehn Jahren Leerstand die Gebäude zerstört und die umgebenden Wiesen verödet. Der Wiederaufbau verschlang viel mehr an Zeit und finanziellen Mitteln als ursprünglich gedacht. Seine Begeisterung half Martin Gruber über manche Durststrecken hinweg und steckte auch andere an: Freunde packten mit an, Handwerker zeigten ihr Können, Nachbarn halfen immer wieder aus. Ende 1989 konnte der äußere Aufbau abgeschlossen werden und auf einem großen „Pflanzfest“ spendeten Freunde und Verwandte Bäume und Sträucher. An dieser Stelle ein großes Danke an all die vielen Helfer, die uns die ersten Jahre zur Seite standen!

Kaum war die erste Wohnung im Hauptgebäude 1987 bezugsfertig, kam das ZeltEnsembleTheater nach Birach. Otto Kukla, Crescentia Dünßer und Irene Hartmann hatten es kurz zuvor gegründet. Das ZeltEnsemble arbeitete und probte in Birach bis 1993, führte hier auf einem dafür angelegten Rondell seine Stücke im eigenen Theaterzelt auf, bevor es weiter auf Tournee oder internationale Festivals ging. Seit dem Wiederaufbau des historischen Stadl werden hier Theaterstücke aufgeführt.  Heimische und internationale Theaterproduktionen werden in Birach geplant und geprobt, bevor sie auf die großen und kleinen Bühnen weltweit kommen: Bettina Mittendorfer und Raffael Mayer zeigten in Birach ihre Solostücke, die KULA-Compagnie probt hier ihre neuesten Stücke ebenso wie das PaperTigerTheatre aus Beijing, VR China. Die einzelnen Aufführungen und Künstler finden Sie unter Kunst & Theater.  Im Seminarhaus finden seit über 30 Jahren Workshops in den Bereichen Kampfkunst, Heilkunst und darstellende Künste statt, international renommierte Künstler und Lehrer unterrichteten in Birach.

Bauweise

Birach ist ein bayerisches Baudenkmal. Der ehemalige Vierseithof stammt aus dem 19. Jahrhundert, das Haupthaus ist ein firstgedrehtes Stockhaus. Das Obergeschoß in Blockbauweise ist verputzt, auf beiden Seiten sieht man außen Bundwerkteile. Für den Aufbau wurden nur rein baubiologische Materialien verwendet.
Der ehemalige Getreidekasten ist heute das Gästehaus, das innen ganz neu nach Entwürfen von Martin Gruber ausgebaut wurde. Seit 1989 können in dem Gebäude Seminare und Workshops stattfinden. Keine zehn Jahre später reicht der Platz schon nicht mehr aus und 1997 wird Richtfest für das neue Küchenhaus gefeiert, in dem Küche und Gemeinschaftsraum unter einem Dach vereint sind.
Der ursprüngliche Stadl war ein einfacher Bretterbau und so stark zerstört, das er nicht mehr wiederaufgebaut werden konnte.  Aus Hausmoning im Landkreis Traunstein wurde daher ein wunderschöner, originaler Bundwerkstadl aus dem 19. Jahrhundert abgebaut, Stück für Stück nach Birach transferiert und dort 1985 wieder original in alter Bauweise aufgebaut. Die Giebelseite ist aufgemauert. In der ehemaligen Werkstatt ist ein Atelier eingerichtet, in den vorderen großen Raum  wird ein Schwingboden eingelegt, so daß Kampfkunst, Tanz und Trainings dort stattfinden können. Der Innenausbau macht es möglich, dass im Stadl auch Theaterstücke aufgeführt werden können. 1998 wurde das Außengelände insgesamt neu gestaltet und in die Landschaft und Architektur eingepasst.

1993 Bayerischer Heimatpreis

zur Werterhaltung und Erneuerung der ländlichen Regionen, in der Sparte Kultur und Gemeinschaft im Landkreis Mühldorf; Schirmherrschaft: der bayerische Ministerpräsident

2007 Architektur im Landkreis

Landratsamt Mühldorf am Inn; Belobigung in der Kategorie C: Denkmalgeschützte Bauten; Urteil des Preisgerichtes: „Hervorzuheben ist die gelungene Gesamtanlage und deren Einfügung in die Umgebung.“

Presse

(In Arbeit)

Der „Bulle“ klärt Fall in Birach auf. Was machen die Schauspieler Matthieu Carrière und Ottfried Fischer in der Küche im Seminarhaus Birach? Die Antwort ist einfach: Texte lernen. Ruth Drexel und Ottfried Fischer waren vor Ort, um in ihre Rollen zu schlüpfen.
Mühldorfer Anzeiger vom 24.2.2005 zu Der Bulle von Tölz

Das in Birach ansässige ZeltEnsemble Theater (ZET) präsentiert in München Horváths Zur schönen Aussicht im Volkstheater. Neues vom ZET: Die seit fünf Jahren bestehende Truppe, Insidern bekannt als originelles Alternativ-Theater mit hohem Anspruch, wird sich, des Reisens müde, ab 1. August 1998 in Tübingen niederlassen. Die Truppe übernimmt das renommierte Zimmertheater.
Abendzeitung vom 3.4.1992

Der Einödhof Birach bot für die Aikido-Freunde eine ideale Trainingsmöglichkeit ohne jede Ablenkung. Daß dabei überdurchschnittliche Erfolge verbucht werden konnten, verdankten die Teilnehmer dem 60jährigen Aikido-Meister und Schwertlehrer Dr. Watanabe aus Tokio.
Mühldorfer Anzeiger vom 18.9.1991

Volkstheater mit Hintersinn im besten Sinn: Selten haben Kulturveranstalter die Möglichkeit, auf der Theaterbühne einheimische Künstler, die in der ganzen Bundesrepublik unterwegs sind, zu präsentieren. Mit dem Zeltensemble Birach bei Niederbergkirchen ist es gelungen, eine in ihrer Art außergewöhnliche Truppe zu engagieren.
Blickpunkt Mühldorf vom 19.9.1990

Im Rahmen der 1200-Jahr-Feier von Niederbergkirchen spielt das Theater Zeltensemble im Zirkuszelt in Birach noch zweimal sein erfolgreiches norwegisches Bergbauerndrama Armut, Reichtum, Mensch und Tier. In der Scheune in Birach spielt Raphael Mayer nochmals seinen Karl-Valentin-Soloabend Die Zukunft war früher auch besser. Dieses Stück war mit sehr großem Erfolg bereits im Mai aufgeführt worden.
Mühldorfer Anzeiger vom 20.9.1990 zur 1200-Jahr-Feier

Die Reise geht ins Ungewisse. Fast 100 km weit, irgendwo nach Niederbayern, da taucht plötzlich zwischen saftigem Grün auf einer Anhöhe ein rot-blau gestreiftes, glühbirnchenbestrahltes Zelt auf. Im niederbayerischen Birach haben sie einen Gutshof als Winterquartier und Probenbühne gefunden. Armut, Reichtum, Mensch und Tier, die längst totgeglaubte Geschichte von Menschen, die sich durch ihre Leidenschaften selbst zerstören, erlebt im Biracher Theaterzelt eine wundersame Wiedergeburt. Staunend wird man Zeuge, wie ein weitgehend unverbildetes, unverbrauchtes Publikum voll Enthusiasmus einen der unzugänglichsten, verkannten, kaum rezipierten Dramatiker der deutschen Sprache für sich entdeckt. So überraschend, so spannend kann Theater noch sein – eine Sternstunde, weitab von den perfekt geführten, klug produzierenden, ehrfurchtsvoll bewunderten Weihestätten der Schauspielkunst.
Süddeutsche Zeitung vom 22.5.1990

Der Probenraum der Theater-Profis vom Zelt Ensemble liegt in einer bayerischen Scheune, auf dem schmucken Künstler-Hof Birach. Wenn die Sonne den blauen Himmel zwischen München und Altötting zur Bilderbuch-Kulisse ausleuchtet, scheint das Schauspieler-Dasein dort voll paradiesischer Harmonie. Benachbarte Bauern pilgern zur Vorstellung, der Dorfwirt schließt am Premierenabend und hängt den Zettel „Auf geht’s ins Theater“. Als seien Mensch und Mime hier einander von Herzen gut, als sei die Welt noch in Ordnung. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus, wenn freie Theatergruppen von ihrer Kunst leben müssen.
Prinz Mai 1990

Packendes Drama im Theaterzelt. Armut, Reichtum, Mensch und Tier war die Premiere des Zeltensembles in Birach überschrieben. Spannend wie ein Krimi, gefühlvoll wie ein Rührstück und niveauvoll wie ein Klassiker. Der Zuschauer ist mitten im Geschehen, leidet und lacht mit, denn auch den Humor hat das Zeltensemble, das zum dritten Mal eine Produktion in Birach zeigt, wieder sehr ernst genommen.
Mühldorfer Anzeiger vom 18.5.1990

Nach erfolgreicher Tournee: Zelt-Ensemble bringt große Theaterwelt ins kleine Birach. Das Theaterzelt in Birach ist aufgebaut, das Zeltensemble ist wieder daheim. 1987 fanden sie in Birach in einem herrliche gelegenen ehemaligen Bauernhof ideale Voraussetzungen für die Verwirklichung ihrer Pläne. In den vergangenen zwei Jahren hat die Gruppe je eine äußerst erfolgreiche Produktion herausgebracht.
Mühldorfer Anzeiger vom 15.5.1990

Im tiefsten bayerischen Land, in Birach bei Niederbergkirchen, leben die Mitglieder des Zeltensembles, die ab 23. Mai in Salzburg gastieren werden. Am Montag stellten sie zu Hause ihr Ulenspiegel-Programm vor. Die einheimische Bevölkerung gab ihrer Begeisterung laufstark Ausdruck.
Salzburger Nachrichten vom 18.5.1988

Ein kleiner Hauch aus der großen Theaterwelt. Das Biracher Zelt-Ensemble führt als Dank an die Bevölkerung den Ulenspiegel auf, für die freundliche und entgegenkommende Aufnahme in Niederbergkirchen.
Mühldorfer Anzeiger vom 13.5.1988

Zwölf Leute insgesamt sind seit der Premiere von Ulenspiegel Mitte Mai auf einem oberbayerischen Einödhof unterwegs mit Zirkuszelt und Wohnwagen. Dieser Ulenspiegel ist der geglückte Versuch, die kleine Psychologie eines durch Schmerz verbitterten Träumers groß auszustellen.
Falter vom Juni 1988

Profis machen Alternativtheater. Das Biracher Zeltensemble: Volkstheater mit Spaß am eigenen Spiel. Ausgerechnet in Birach, eine Autostunde von München entfernt, hat sich eine mehrzählig aus Nichtbayern bestehende Künstler-Wohngemeinschaft einquartiert: das „Zeltensemble“. Der erste Blick, was sonst, er trügt: Da sieht es ganz so aus, als seien die Biracher ein typisches 70er-Jahre-Relikt. Die wichtigste Maxime der Biracher hieß von Anfang an: Professionalität. „Nur Leute vom Fach“, sagte Kukla, sollten das Biracher Experiment unternehmen.
Süddeutsche Zeitung vom 23.8.1988

Der tobende Applaus und die Bravo-Rufe im eigenen Zirkuszelt in Birach nach der Vorstellung ihrer ersten eigenen Produktion rührt die Truppe, Graf Almavia alias Otto Kukla bedankte sich bei den Niederbergkirchenern und allen, die gekommen waren, für die tolle Unterstützung „mir fehlen die Worte“. Die Truppe wohnt schon mehrere Monate in Birach, in dem Hof, der mit viel Aufwand renoviert worden ist. Längere Zeit schon suchten sie eine Bleibe, um Theater ihren eigenen Vorstellungen entsprechend zu machen. Über den Besitzer des Hofes, Martin Gruber, kamen die Künstler schließlich in den Landkreis Mühldorf. In Niderbergkirchen fühlt sich die Truppe wohl. „Die Leute sind unheimlich offen für unsere Idee, sie kommen immer wieder vorbei, um zu sehen, wie es uns geht.“
Mühldorfer Anzeiger von 1988

Erinnern Sie sich noch an den verregneten Abend anfangs letzten Juni, als halb Niederbergkirchen auf den Beinen war, um in Birach die Vorpremiere der Zelttheaterkomödie Figaro mitzuerleben? Die 350 zur Verfügung stehenden Klappstühle hatten bei weitem nicht ausgereicht, es mußten noch zusätzliche Sitzgelegenheiten angeschleppt werden.
Mühldorfer Anzeiger von 1988

Heimat der Gruppe wurde ein kleiner Hof im Oberbayerischen, wo bis vor kurzem noch fleißig geprobt und gewerkelt wurde. Mit ihrer ersten Inszenierung Figaro & Co. gelingt es dem „Zeltensemble“ zu beweisen, daß erstklassig und spannend gemachtes Schauspiel nicht notwendigerweise Unsummen an Subventionen und eines aufgeblähten Apparates bedarf, um beste Unterhaltung zu garantieren. Zu Recht war das Publikum absolut begeistert, denn mit Figaro & Co. ist dem Zeltensemble ein Stück gelungen, das wie kaum ein zweites in diesem Sommer verdient, gesehen zu werden.
Die Welt vom 25.7.1987

Wie alle Menschen, die nach Freiheit suchen, wandten sie sich nach Bayern, und unter der Führung des Schauspielers Otto Kukla fand man einen Bauernhof in Niederbergkirchen, ein buntes Zirkuszelt und einen Namen: Das „Zeltensensemble“ war geboren.
Süddeutsche Zeitung vom 22.8.1987

Seit November wohnen die Schauspieler und Maskenbildner im Bauernhof Birach. Damit zur Vorstellung der ersten Produktion des „Zeltensembles“ morgen ab 20 Uhr auch genügend Zuschauer aus und um Niederbergkirchen ins Zirkuszelt mit 350 Sitzplätzen kommen, hilft der dortige Wirt mit. Er schließt sein Lokal und hängt ein Schild an die Tür: „Kommt zu Figaro & Co.“
Mühldorfer Anzeiger vom 9.6.1987

Ein Ort der Kunst und der Künstler. In dem kleinen Ort Birach entsteht ein ungewöhnliches Projekt. Lange Jahre war der Besitz unbewohnt und vereinsamt, bis der neue Besitzer vor drei Jahren mit der Renovierung begann. Was schon heute zu sehen ist: daß die Anlage ein architektonisches Meisterwerk zu werden verspricht. Martin Gruber will in Birach Künstlern die Möglichkeit geben, in der Stille und Beschaulichkeit des ländlichen Raumes produktiv zu werden, zu proben oder Gedanken auszutauschen.
Mühldorfer Anzeiger vom 4.6.1987